9 Benefits der Klangbewegungen der Resonanzlehre

2008 hielt ich einen Flyer in der Hand, für einen Wochenendkurs Resonanzlehre. Die Beschreibungen auf diesem Flyer kamen mir bekannt vor – schließlich beschäftigte ich mich seit vielen Jahren mit Körperarbeit für Musiker, hatte viele Alexandertechnik-Stunden genommen, später auch Feldenkrais. »Noch einer, der das Rad erfunden hat«, dachte ich, und legte den Flyer beiseite.

2014 bin ich selbst zertifizierte Resonanzlehrerin. Was war in der Zwischenzeit passiert? Ich hatte dann doch noch die Resonanzlehre ausprobiert, und fand nicht nur den Unterricht, sondern vor allem die Körperübungen unglaublich bereichernd. Meine Klienten schwärmen von den Körperübungen ebenfalls und möchten sie nicht mehr missen. Vor allem ist die Resonanzlehre eine Körperarbeit, die, im Gegensatz zu Alexandertechnik oder Feldenkrais, in Zusammenhang mit Klang, Musik und musikalischer Emotion entwickelt wurde. Das macht die Körperarbeit besonders wertvoll für Musiker.

Hier sind 9 Benefits, als Musiker die Körperübungen der Resonanzlehre regelmäßig zu praktizieren:


1. Verständnis für den Körper als Ganzes.

In der Resonanzlehre wird der Körper als Ganzes aufgefasst. Das bedeutet, dass eine Bewegung in einem Teil des Körpers sich direkt oder indirekt auf alle anderen Körperteile auswirkt. Ein Bild dafür ist ein Mobile. Wenn man ein Teilchen des Mobiles bewegt, reagieren die anderen Teilchen darauf. In der Resonanzlehre nennen wir diese Art von Bewegung „unabhängig integriert“. Zum Beispiel würde ein Streicher mit seinem rechten Arm streichen und mit dieser Bewegung den Oberkörper darauf reagieren lassen, die Beine, etc. Das Gegenbeispiel dazu ist ein Streicher, der isoliert vom Rumpf mit seinem rechten Arm streicht, d.h. der Rumpf ist absichtlich festgehalten. Diese Art von Bewegung bringt den Atem ins Stocken. Das ist ein Beispiel dafür, wie der Körper als Ganzes agieren kann, und die Übungen trainieren diese Grundlage.

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2. Leichtigkeit trainieren durch die Anwendung physikalischer Prinzipien

Die Körperübungen basieren auf dem physikalischen Gesetz: »Eine Masse lässt sich am Leichtesten über ihren Körper bewegen«. Dieses Gesetzt können wir beispielsweise bei einem Notenständer anwenden (im Bild abgebildet bin ich, wie ich dieses Prinzip in einem meiner Videos erforsche), und natürlich mit unserem eigenen Körper. Beim Bewegen des gesamten Körpers aus dem Körperschwerpunkt erfahren wir, dass das Bewegen leichter geht. Die Atmung kann fließen. Teilsegmente des Körpers werden demnach auch aus ihren Segmenten bewegt – das wiederum hat zur Folge, dass sich die Gelenke öffnen und der Körper sich selbst darum kümmern kann, angesammelte Schadstoffe abzutransportieren. Die Bewegungen werden so immer geschmeidiger und fließender.

Screenshot aus den Videos der Klangbewegungen


3. Spannung und Entspannung gleichen sich aus.

Ein beliebtes Thema in der Musikpädagogik ist es ja, entspannt zu spielen oder zu singen. Doch geht es tatsächlich darum, entspannt zu musizieren? Vielmehr geht es laut der Resonanzlehre darum, über Spannung und Entspannung frei verfügen zu können. Eine Folge davon, regelmäßig die Körperübungen auszuführen, ist, sich genau diese Fähigkeit anzutrainieren: dass sich mit der Zeit die Spannung und Entspannung ausgleicht. Manche Menschen brauchen Entspannung. Manche andere brauchen hingegen Spannung. Von einer Unterspannung können nämlich auch weitere Schwierigkeiten kommen. Wie dem auch sei: Man kann sich nicht alleine entspannen, oder alleine Spannung aufbauen. Wir brauchen die Interaktion mit einem Boden, sei es der Fußboden oder der Stuhlboden. Und das ist, was mit den Übungen trainiert wird: dass die Interaktion mit dem Boden lebendig und kreativ bleibt. So lernen Musiker, nach Belieben über Spannung und Entspannung zu verfügen.

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4. Der Kraftaufbau im Körper fällt leicht.

Wenn ich Kraftaufbau sage, dann meine ich Kraft für die folgenden Aktivitäten: schneller spielen, lauter spielen, Staccato-Passagen, Koloraturen, usw. All das braucht mehr Energie. Ein anderes Wort dafür ist Kraft. Nun zur Krafterzeugung, dafür ein kurzes Beispiel: Schon mal im Sumpf gesteckt? Schon mal versucht, da rauszukommen? Aus einem Sumpf kann man sich selbst nicht herausziehen. Jede Bewegung bringt den Körper eigentlich tiefer in den Sumpf hinein. Eine ausweglose Situation! Tatsächlich ist dieses Beispiel einer Schülerin von mir mal passiert. Sie konnte nicht mehr von selbst herauskommen, und ihr Freund hat sie rausgezogen. Das war möglich, da ihr Freund an einem Boden abgestützt war, der fester ist als sein Körper. Der Boden hat diese Fähigkeit, uns für Kraftaufbau zu dienen. Ich beziehe mich auf Fußboden, aber auch Sitzboden und Tastenboden. Indem man die Körperübungen in bewusster Verbindung von Gewicht und Boden ausführt, kann Kraft im Körpergewebe aufgebaut werden. Je größer die Ebene ist, die mit dem Körper in Kontakt ist, desto mehr Gelegenheit für Entspannung und für Kraftaufbau.

Screenshot aus den Videos der Klangbewegungen


5. Sowohl Kraft als auch Sensibilität werden trainiert.

Wenn man das Bein anhebt, sodass man das Gewicht spürt, so spielen alle Muskeln im Körper miteinander, in komplexen Kontraktionen, die wir nicht kennen oder verstehen müssen. Es reagiert die Bauchmuskulatur, es reagiert die Musikulatur des anderen Beins, etc, d.h. diese Muskelkontraktionen haben sehr mit dem Gewicht und den Proportionen des eigenen Körpers zu tun. Die Körperübungen der Resonanzlehre zielen immer darauf ab, während der Bewegung das eigene Gewicht zu spüren, und so wird es sozusagen zu einem auf unsere Körperform abgestimmten Muskeltraining. Ein Training, das nicht mit dem eigenen Gewicht abgestimmt ist, kann zwar dazu führen, dass man kräftiger wird. Doch die einseitige Belastung von manchen Muskelgruppen kann auch eine Verkrampfung herbeiführen und eine Verarmung des komplexen Muskelapparats. Wir Musiker brauchen nicht nur Kraft und Ausdauer zum Musizieren. Wir brauchen auch hohe Sensibilität im Gewebe, um feine Unterschiede im Klang zu erzeugen. Deswegen ist ein reines Krafttraining für Musiker ungünstig.

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6. Die freie Atmung wird gefördert.

Zwei Aspekte gibt es dazu: zunächst fördern Bewegungen aus den Schwerpunkten eine gelöste und freie Atmung. Anders gesagt: Während der Bewegungen der Resonanzlehre werden die Faktoren begünstigt, die eine freie Atmung positiv beeinflussen. Der zweite Aspekt betrifft die Gewohnheiten. Manche Menschen halten oft die Luft an und merken es erst hinterher. Viele von ihnen nehmen sich auch vor, während des Musizierens nicht mehr die Luft anzuhalten, und merken erst nach einiger Zeit, dass sie es doch vergessen hatten. Der zweite atemfördernde Aspekt von Körperübungen ist also, eine neue Gewohnheit entstehen zu lassen: den Atemfluss in einer Bewegung nicht zu unterbrechen. So sind die Übungen immer wieder eine Erinnerung an freien Atemfluss, bis man sich nicht mehr daran erinnern muss. Dann ist man gewohnt, seine Bewegungen zu verändern und zu reagieren, ohne dass man den Atemfluss anhält. Dieses lässt sich eins zu eins auf die Spielbewegungen übertragen.

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7. Präsenz als Folge von veränderter Wahrnehmung.

Eine Wahrnehmung des Raumes um sich herum ist ebenfalls ein Element, das man bewusst mithilfe der Körperübungen trainieren kann. Raum-rundumwahrnehmung heißt, dass man in der Bewegung den Raum als Ganzes spürt, wahrnimmt. Mit der Zeit kann also diese Wahrnehmungsweise verkörpert werden. Machen wir uns nichts vor: Unsere Fähigkeit, mehr wahrzunehmen wird uns zu präsenteren Menschen und Musikern machen. Je mehr wir wahrnehmen, desto mehr werden wir auch wahrgenommen. Das ist ein anderer Aspekt von körperlicher Präsenz. Schallwellen breiten sich bekannterweise kugelförmig um die Schallquelle aus. Demnach dürfen unsere Bewegungen auch etwas rundes, kugeliges haben, und auch unsere Wahrnehmung darf nicht zu konzentriert sein. Wir können beispielsweise den ganzen Raum mit einbeziehen, wenn wir unseren Arm heben. Dies nennen manche Lehrer „Präsenz“ – ich glaube, diejenigen die “keine Präsenz” haben, haben sie einfach nur verlernt. Mit den Körperübungen können wir Wahrnehmung und Präsenz trainieren.

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8. Musikalische Bewegung im Alltag.

Musikalische Bewegung ist, wenn der Körper sich ausbalanciert bewegt und mit einer gewissen Leichtigkeit und Mühelosigkeit, einem fließenden Atem. Wir können mit festem Arm das Brot schneiden, oder wir können das Gewicht unseres Armes spüren und das Messer in der Hand und dadurch das Schneiden von Brot leichter und, wieso nicht, schöner machen. Ratet, was dann mit dem Atemfluss geschieht. Der Sinn hinter den Übungen ist, die ausbalancierte Bewegung soweit zu verinnerlichen, dass man beim Spielen nicht mehr darüber nachdenken muss, wie man jetzt seinen Arm bewegt. Der weitere Sinn ist, dass man sich den ganzen Tag hinweg in einer musikalischen Qualität befinden kann und nicht nur wenn man Musik macht. Das wirkt sich wiederum auf das Üben und das Auftreten aus – und das Unterrichten ebenfalls.

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9. Die Übezeit reduziert sich dramatisch.

Ja, weil höchstens jetzt die meisten denken: »Ich habe keine Zeit für Körperübungen, ich habe einen Berg von Noten, den ich bis da und dahin lernen muss.« Verstehe ich. So geht es mir auch manchmal. Doch wenn du bis hierhin gelesen hast, hast du wahrscheinlich ein Gefühl dafür bekommen, was diese Übungen mit deinem Musikerkörper machen können: Du kannst frei über Spannung und Entspannung verfügen – das bedeutet, dein Körper ist wahrhaftig dein Instrument. Das bringt weiterhin so viel körperliche Klarheit, dass du deine Übeziele viel schneller erreichen kannst, kurz gesagt: Die Übezeit wird verkürzt.

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Die Körperübungen der Resonanzlehre kannst du im Einzelunterricht oder im Online Flow-Seminar bei mir lernen. Außerdem gibt es die als Selbstlernkurs auf meiner Webseite zu erwerben: Die Resonanzlehre Basics.

Wenn du ein Set Körperübungen gelernt hast, kannst du einen Anfang machen, indem du die Übungen täglich für 15-20 Minuten vor dem Üben ausführst, und siehst, was das innerhalb von wenigen Wochen mit deinem Üben macht. Den echten Kick geben die Übungen, wenn man sie regelmäßig (fast täglich) über einen Zeitraum von 3-6 Monaten ausführt. Im Alltag merkt man mal mehr, mal weniger, ob sich Dinge verändern. Doch der Vergleich mit vor 6 Monaten rückt Veränderungen ins richtige Licht. Musiker, die die Übungen regelmäßig ausführen, schwören darauf. Musiker, die die Übungen nicht regelmäßig ausführen, sagen, es bringt nichts. Ich kann dir versichern: Wenn du die Körperübungen der Resonanzlehre täglich praktizierst, wirst du nach 6 Monaten ein Teleskop brauchen, um zu sehen, wo du hergekommen bist.



Lerne die Basics der Resonanzlehre



* Foto Matthias Buck: Jürgen Lippert

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